TS: Wie ist die Atmosphäre, die Stimmung in Israel?
A: Die Stimmung in Israel ist schwankend, aber immer in Bewegung, so als ob die Menschen auf etwas warten würden. Man könnte die Atmosphäre als „Wachsamkeit in Dauerbereitschaft“ definieren. Dies erzeugt ständige Spannung, Nervosität und Unruhe, die in jedem Bereich zu spüren sind. Nach jedem terroristischen Attentat spürt man große Solidarität, sehr viel Mitgefühl, Angst, Wut und Ohnmacht. Diese Energien gehören mittlerweile schon zur genetischen Blaupause aller Juden, denn seit undenklichen Zeiten hat sich ein System entwickelt - ausgerichtet auf den inneren göttlichen Plan, worin die Juden die Aufgabe übernommen haben, das Unerträgliche zu ertragen und das Unüberlebbare doch irgendwie zu überstehen.
Viele junge Männer haben keine Lust mehr, zur Armee zu gehen. Die meisten sind Indigos und gehen mit großem Widerwillen zum Militär - eigentlich nur aus purer Selbstverteidigung. Doch die Terroristen schleichen ums eigene Haus und wie es so oft in unseren Nachbarsiedlungen passiert ist, dass plötzlich ein Trupp in irgendein Haus einbricht, indem sie Tür und Tor einfach aufschießen und danach alle Bewohner umbringen, versucht man sich automatisch zu schützen. Jede Nacht dröhnen stundenlang Maschingewehre und explodieren Bomben - die Zellebene kennt diese Töne und der Körper reagiert.
TS: Wie verläuft der Alltag?
A: Der Alltag in Israel ist ebenso individuell, wie überall auf der Welt, und jeder versucht, seinen persönlichen Weg so ungestört wie möglich zu gehen. Einerseits ist der Alltag geprägt von unterschwelliger Angst, die besonders nach Terrorattentaten stark zu spüren ist, andererseits aber auch von störrischem Ignorieren, das ich persönlich während den täglichen Schießereien der letzten Intifada - die im Oktober 2000 begann und bis heute anhält - wie ein Sich-Ausklinken-Wollen aus dem allgemeinen Kollektiv der Angst erlebte. In der ersten Nacht standen die Menschen fassungslos vor ihren Häusern und starrten in Richtung Grenze und Mauer (unsere Siedlung wurde erst vor einigen Jahren aus dem Ackerboden gestampft und sogleich ummauert und umzäunt, um die extremen Diebstähle einzudämmen). Kein Mensch wußte, was plötzlich los war, hatten sich doch alle auf die kommenden Friedensverhandlungen eingestellt und gestern noch beim arabischen Nachbarn eingekauft. Plötzlich waren Soldaten hier und es wurde auf beiden Seiten ununterbrochen geschossen. Keiner verstand, was eigentlich geschehen war, und schob den anderen die Schuld zu - aber der karmische Knopf war gedrückt. Am nächsten Tag stellten sich Schaulustige auf ihre Autos, um mit dem Feldstecher hinüberschauen zu können, und die weniger Mutigen standen im Garten und weinten, denn der langersehnte Frieden war in unendliche Ferne gerückt. Doch schon nach einigen Tagen lockten die Schüsse niemanden mehr aus dem Haus und trotz Lärm wurde gut geschlafen. Jeden Morgen gab es stundenlange Warteschlangen durch die Sicherheitskontrollen, um zur Arbeit zu fahren - wachsames Fahren, um nicht von Heckenschützen getroffen zu werden. Die Menschen konnten entweder die Lage verdrängen oder sich durch Aggressivität Luft machen. Was da eigentlich geschieht, wusste man auf keiner Seite, spürte aber kollektiv, dass ein Knopf gedrückt wurde und die Zeit reif war zum Kämpfen - denn so hatten wir es alle geplant, um das Jahrtausenden zuvor vorhergesagte Armageddon vom Mittelpunkt der Welt aus einzuleiten. Nach Kryons Worten „Where Jews go - go Earth“ haben die Juden die Funktion des Fundaments im Hause der Menschheit (nachzulesen im Kryon Lehrbuch „Der Neuanfang“) und somit eines Katalysators. Die Dinge spielen sich durch wie geplant, aber nun auf völlig neuer Ebene. Dazu gehören weltweite emotionale Erschütterungen. Im winzig kleinen Israel wurde fast jeder mit Verlusten bekannter oder nahestehender Menschen konfrontiert, so auch wir. Ein sehr guter Freund wurde beim Pessach-Massaker im März 2002 im Hotel Park mit 20 anderen von einer Bombe zerrissen und seine Familie schwer verletzt. Meine kleine Tochter mußte eines Tages vor Schulbeginn erfahren, daß in der vorhergehenden Nacht Terroristen ins Haus ihrer Lehrerin eindrangen und sie abschlachteten. Erst wenn man den Nächsten der Opfer hautnah gegenübersteht, kann man das Ausmaß des Schmerzes richtig erfühlen.
TS: Wie ist die religiöse Stimmung, sind die Menschen stark gläubig, sind sie fanatisch?
A: In Israel leben ca. 7% strenggläubige, orthodoxe Juden, die noch sehr stark an den alten Glaubenssätzen festhalten, dadurch konnte das Volk Israel bis heute überleben. Weitere 10% sind religiös ausgerichtete Menschen, die nach den alten Bräuchen leben. Die Mehrzahl lebt weltlich angepasst bis hin zum Atheismus. In den Zeiten vor der Zerstörung des Tempels in Jerusalem war das Judentum gelebte Göttlichkeit, war sehr umfangreich und hütete das Wesentliche im sicheren, inneren Zentrum, was Außenstehenden schwer zu erklären ist. Erst nach dessen Zerstörung im Jahre 70 n.Z. mutierte das Judentum zur ersten monotheistischen Religion der Menschheit, die alten Wahrheiten begannen mystisch zu zerfließen und der innere Wesenskern aller Dinge ging verloren - so erschufen sie sich eigene Wahrheiten und Realitäten, begannen zu deuten und zu dogmatisieren. Die heiligen Bücher sind alle gechannelt, wurden aber in Metaphern und Parabeln verpackt, um sie den im Bewußtsein tief gefallenen Menschenkindern erfassbar zu machen. So kam es zu immer vielschichtigeren Interpretationen und Deutungen, die mit den unzähligen Übersetzungen der Originalbibel restlos ihre Kernbedeutung verloren. Die fünf Bücher Mose sind allesamt codiert und enthalten die Blaupause der Schöpfung, nach deren Matrix die physische Welt erschaffen wurde. Wird auch nur ein Zeichen verändert, verliert alles seine wahre Bedeutung. Das harte und eigensinnige Volk der Juden war bereit, diese schwierige Aufgabe zu übernehmen und die Thora zu schützen. Viele von den alten weisen Männern wissen sehr genau über die kosmischen Gesetzmäßigkeiten bescheid und alte kabbalistische Texte decken sich vollkommen mit heutigen Aussagen der spirituellen Meister und Channels.
Die alten Religionen sind unbeweglich und lassen wenig Spielraum für persönliche Entwicklung, sie werden benützt, um Macht und Kontrolle auszuüben und ihre Anhänger durch Angst auf den alten Wegen zu halten. Religion ist eine Erfindung der Menschheit - denn GOTT ist ganz und gar unreligiös. Trotzdem begegne ich den alten Religionen mit Achtung und Respekt, denn sie bewahrten die Menschheit vor dem Fall in animalische Unbewusstheit und brachten Hoffnung in schwierigen, dunklen Zeiten. Viele junge Juden lösen sich von der alten Religion und suchen nach neuen Wegen - denn die Zeit der Religionen ist endgültig vorbei und dient uns nicht mehr, denn die Menschen haben begonnen, Gott nicht mehr auf Bergen oder in Wüsten zu suchen, sondern im Heiligtum des eigenen Herzens.
TS: Wie stehen die Menschen in Israel zu Lichtarbeit, Kryon, etc.?
A: Die Lichtarbeit hat sich in Israel parallel zur Entwicklung in Amerika entwickelt. Vergleichsmäßig gibt es viele Lichtarbeiter in Israel, bzw. Menschen, die beginnen aufzuwachen, Fragen zu stellen und sind bereit, neue Wege einzuschlagen. Die ersten Kryon-Bände wurden schon 1997 ins Hebräische übersetzt und kamen bald darauf auf den Markt. Auch ich fühlte mich schon sehr früh zu diesen Schriften hingezogen, obwohl ich nicht genau verstand, worum es eigentlich ging, aber es war die Energie der neuen Worte der Liebe, die uns wie ein Trompetenschall rief aufzuwachen. Doch wo viel Licht ist, erscheint sofort auch der Schatten - wenn Menschen innig daran glauben, dass sie unwürdig und schuldig sind und nur der Messias sie von all diesem Übel erretten kann. So steht dieses Bewusstsein wie eine Mauer gegen neue Glaubensmuster - das Alte wehrt sich vehement gegen das Neue und versucht, es mit allen Mitteln aufzuhalten - diese Gegensätzlichkeit ist in Israel besonders stark zu spüren. Von religiöser Seite wird alles verteufelt, was nicht akkurat den alten Gesetzen entspricht, selbst der Messias hätte als inkarnierter Mensch keine Chance und würde wahrscheinlich sofort als Betrüger eliminiert werden. Deshalb haben wir diesmal entschieden, es völlig anders zu machen - das Messiasbewusstsein wird in uns ALLEN erwachen und irgendwann den Punkt erreichen, wo diese Energie allumfassender Liebe für die gesamte Menschheit zugänglich ist und auf alles Dunkle und Angstvolle überschwappt und alles nur noch Bewusstheit, Liebe und Licht ist. Die einen gehen in die Richtung des Altbewährten und Bekannten und wenden sich der Religion zu und andere suchen neue spirituelle Wege. Das ist unterschiedlich und für jeden auf seine Art und Weise stimmig. In jedem Fall reißt großes Leid und Schrecken die Menschen aus ihrem unbewussten Trott, rüttelt sie auf und wirkt als Katalysator für äußere und innere Veränderungen.
TS: Sehen die Menschen den Konflikt als Chance zu lernen oder als etwas Böses?
A: Energien, die negativ beinhaltet wurden, werden der Kategorie Böse zugeteilt, doch darin liegt die große Chance, sich weiterzuentwickeln. Aus den alten authentischen Schriften weiß man, dass alles Böse von den Menschen selbst erschaffen wurde und die unzähligen guten und bösen Engel den Menschen in seiner Kindheit solange begleiten, bis sie sich gemeinsam mit ihm ins Licht erheben können. Auch in Israel braucht man das Böse, um das Gute zu erkennen, um ihm all das zuzuschieben, was man selbst nicht leiden mag, und um aus ganzer Seele hassen zu können - dies befreit viele von unerträglichen Emotionen.
Wenn all diese dunklen, vermummten und furchterregenden Gestalten mit gezückten Schwertern in unsere Richtung marschieren, sieht man auf den ersten Blick das abgrundtief Böse und hat Angst. Doch sind sie die Repräsentanten unserer so gut verborgenen, eigenen dunklen Wesensanteile, die uns im Außen in menschlicher Verkleidung begegnen, Aufmerksamkeit erzwingen, um endlich, endlich von uns angesprochen zu werden, und wir erschrecken zu Tode, wenn wir diesen Schatten gegenüberstehen. Die Begegnung mit dem Terror wird immer stärker, solange die Menschen nicht aufhören, sich selbst zu bekämpfen, indem sie das äußerlich dunkle Bedrohliche umbringen, anstatt ihm im Inneren zu begegnen. Viele arbeiten daran, die Dunkelheit in sich selbst zu erlösen, und es werden täglich mehr.
In Israel hat es immer begonnen und breitete sich über die ganze Welt aus, darum sagt Kryon „Where Jews go - go Earth“ - „Wie es den Juden ergeht, so ergeht es der Erde.“ Und die Menschen haben große Wut auf Israel, die niemand so recht begreift - aber ist das nicht verständlich, wenn sich der Mensch über das Fundament ärgert, das nicht zusammenhält was es versprochen hat, und dadurch die Gefahr besteht, dass das gesamte Haus einzustürzen droht? Große Kräfte verlangen große Verantwortung. Leider haben wir alle vergessen, wer wir sind und was wir für Aufgaben haben - die Hoffnung besteht darin, dass wir beginnen, uns zu erinnern.
TS: Wie zufrieden sind die Menschen mit der israelischen Politik und den politischen und sozialen Reaktionen aus der ganzen Welt?
A: Ben-Gurion, Israels ehemaliger Ministerpräsident, sagte einmal: „Es ist unendlich schwer, ein Volk voller Präsidenten zu regieren.“ Ja, jeder Israeli weiß alles, kann alles und sieht in sich selbst den besten Präsidenten. Dies führte dazu, dass wir unzählige Parteien und politische Gruppen haben und unser Parlament einer Arena vollgestopft mit aggressiven Halbstarken gleicht, die sich verbal und oft sogar handgreiflich Luft machen. Jedoch keiner weiß, warum die Dinge so sind, wie sie sind, keiner weiß, was man noch machen sollte, um den Menschen in diesem Land wenigstens ein bisschen Sicherheit zu garantieren, keiner weiß wie man 600.000 Kinder, die unter dem Existenzminimum leben, halbwegs ernähren kann, keiner weiß, wie man die unzähligen Arbeitslosen, Alten, Kranken und Behinderten versorgen soll, keiner weiß, woher die Erziehung finanziert werden soll, wenn doch fast das gesamte Budget für die militärische Abwehr gebraucht wird, und vor allem hat keiner auch nur die geringste Ahnung, wie es weitergehen soll. Natürlich darf das niemand merken, sonst wär‘s aus mit der Macht. Und so verspricht jeder Lösungen, die seinen eigenen äußerst begrenzten Glaubensmustern entsprechen.
In keinem anderen Land der Welt streiken sämtliche Lehrer jedes Jahr wochenlang pünktlich bei Schulbeginn. Niemand kann sich vorstellen, wie es ist, bzw. wie es stinkt, wenn wochenlang keine Müllabfuhr tätig ist, die Menschen tagelang wegen Flugstreik am Flughafen festsitzen, und keiner kann sich ausmalen, wie es ist, wenn SÄMTLICHE Einrichtungen gemeinsam streiken, inklusive Krankenhaus, Rettungsdienst und Sozialversicherung - und dies wochenlang und mindestens fünfmal im Jahr. Ja, das ist auch Israel, ein Land wo jeder Recht hat und genau weiß, was gemacht werden soll, aber in Wirklichkeit null Ahnung hat, was wirklich notwendig ist. Ich habe großen Respekt vor jedem Menschen, der den Mut hat, ein Land wie Israel zu regieren, denn damit Erfolg zu haben, ist so gut wie unmöglich und äußerst undankbar, denn mit seiner Nominierung hat er von vorne herein den schwarzen Peter gezogen, egal wie er auch immer heißen mag.
Um die Negativität der vorigen Worte auszugleichen, gibt es auch kein Land auf dieser Welt, mit vergleichbarer Energie. Wer schon einmal hier war, weiß wovon ich spreche. Wenn man sich hineinfühlt, spürt man die Schwingung des Heiligen Landes, wo die Kontinente aufeinander treffen. Man kann das Pulsieren des Herzens der Alten Stadt Jerusalem hören, deren Zentrum der Grundstein der Welt ist. Heute tief verborgen in der Tiefe des Felsendoms, ängstlich bewacht und beschützt oben auf dem Tempelberg, einst Mittelpunkt als Heiligstes im Heiligen des Tempels. Aus diesem kosmischen Kristall wurde einst die Erde erschaffen und er birgt größte göttliche Schöpferkraft, sowie die Matrix aller Kreationen. Auch um ihn geht es bei den Konflikten hier in Israel, darum, wer die Vorherrschaft auf dem Tempelberg und somit die Schöpferkraft hat. Obwohl nunmehr wenige Menschen um die alten Geheimnisse wissen, sind sie tief im kollektiven Bewusstsein verankert und auf der Zellebene wussten und wissen es alle und reagieren darauf. Warum sonst sollte dieses winzige Fleckchen Erde als Heiliges Land in aller Welt bekannt sein und so viel Aufmerksamkeit erregend immer umkämpft und erobert werden? Doch niemand kann Gott, als auch das Heiligste jemals besitzen, man kann nur den Verwalter spielen.