Nächstenliebe
„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ (Bibel, 3. Mose 19.18)
Diese zeitlose Weisheit gilt auch heute noch als oberstes Gebot für die nach Erleuchtung oder Gottesverwirklichung strebenden Menschen. Wir finden diese Botschaft in den Worten der Meister aller Religionen, Kulturen und Epochen. Die Essenz ist überall die selbe. Die Liebe stellt den Schlüssel zum Ewigen Reich dar und meint so viel mehr als nur ein Sentiment, Wohltätigkeit oder tugendhaftes Handeln. Gott ist die reine Liebe. So bedeutet zu lieben, die Göttliche Kraft handhaben zu können, mit Gott in jedem Augenblick richtig umzugehen. Doch wo ist Gott und wie findet man Zugang zu dieser göttlichen Kraft?
Als Urquelle oder Schöpfer von Allem befindet sich Gott in allem Existierenden, die göttliche Energie zieht sich durch alles wie ein „roter Faden“. Indem wir den göttlichen Aspekt in jeder Person und in jeder Sache, die uns begegnet, erkennen, diesem roten Faden folgen und die aufkommenden Aufgaben lösen, verwirklichen wir die Liebe, erreichen wir Gott. Aus diesem Grund stellt die Nächstenliebe das oberste Gebot und gleichzeitig die Grundlage für das spirituelle Leben dar: Gott ist nicht irgendwo dort draußen; er ist immer hier direkt vor unserer Nase und ebenso in uns selbst anwesend. Es liegt nur an uns, unsere Augen zu öffnen und bereit zu sein, ein neues Verständnis und eine andere Praxis der Liebe in unser Leben zu integrieren. Wenn wir unseren eigenen göttlichen Aspekt in uns wiederfinden, dann sind wir in der Lage, uns mit Gott in allem und schließlich auch mit ihm persönlich auszutauschen.
Was bedeutet Nächstenliebe praktisch?
Liebe ist ...
... wie die Sonne. Sie scheint auf alles gleichermaßen, ohne zu unterscheiden. Man muss immer allen ein Freund sein.
... keine Emotion, also nicht dual. Sie kennt keine Wertung und urteilt nicht. Sie folgt nicht dem „Lust und Laune Prinzip“.
Entschei dungen werden nicht gefällt, weil man etwas mag oder nicht mag, sondern weil es für alle das Beste ist.
... Güte und Strenge, Freude und Disziplin. Auf Fehler muss aufmerksam gemacht und eine Lösung gefordert werden. Solange eine Person sich in dieser dualen Welt, also in einem dualen Bewusstsein, bewegt, gehört zur Liebe auch die richtig, nicht egoistisch motiviert, angewandte Strenge. Die nicht der Liebe entsprechenden Charakterzüge und Anteile im Leben können nur durch Dis- ziplin und Strenge beseitigt werden. Immer nett zu sein, wäre an diesen Stellen fatal.
... Gewaltlosigkeit. Man darf keine Kritik anwenden, wenn man nicht absolut sicher ist, dass der Andere diese auch umsetzen kann. Dies bezieht sich auch auf die eigene Person: Kritik muss immer konstruktiv sein. Es geht nicht darum, dass man recht hat, sondern dass man dem anderen weiterhilft.
... Freiheit. Jede Person hat einen freien Willen. Diesen darf man niemals beeinflussen. Freiheit bedeutet, offen für alle möglichen Veränderungen zu sein, die Gott in unser Leben bringt. Man sollte nichts ausschließen oder festlegen, das würde unsere Sicht begrenzen und gewisse Teile des Ganzen, von Gott, ausblenden. „Sag niemals nie.“ So bleibt man lebendig und in der Lage, immer dort aktiv zu werden, wo es nötig ist.
... Anteilnahme, die Bereitschaft, das eigene Leben für andere hinzugeben und alles zu teilen. Natürlich fällt es leicht, Menschen, die man mag, etwas zu geben, oder wenn man weiß, dass man etwas zurückbekommt. Doch wo es einem schwer fällt, wo man sich überwinden muss, zu helfen, dort liebt man. Diese Situationen stellen den Prüfstein für die wahre Liebe dar.
... Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung muss nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle Personen, Beziehungen und Situationen im Leben übernommen werden. Nur auf dieser Grundlage können sich andere Menschen auf eine Person verlassen, Vert rauen zu ihr aufbauen und sich öffnen. Erst dann ist Hilfe, Freundschaft, Beziehung etc. möglich. Man darf nur Verantwor tung übernehmen, wenn man mit 100%iger Sicherheit weiß, diese auch für immer tragen zu können.
... die Identifikation mit dem Ewigen. Der Körper und der Geist des Menschen sind vergänglich, doch die Seele ist ewig. Deshalb muss man die Seele betrachten, um zu erkennen, wer eine Person wirklich ist. Auf der Grundlage der Liebe, der Weisheit und der Ewigkeit hält die Beziehung von Seele zu Seele ewig und ist nicht an Raum und Zeit gebunden. Bezieht man sich jedoch auf das Vergängliche wird die Beziehung vergehen. Die materiellen Sichtweisen eines Menschen wechseln einerseits ständig, wie die Mode, und andererseits spiegeln sie seine Identifikation mit dem Vergänglichen, eben mit dem, was er in Wirklichkeit gar nicht ist, wider und resultieren in der Regel aus dem Wertesystem der Erziehung, den Gesellschaftsregeln, dem Freundeskreis etc. und stam- men nicht von der Person selbst.
... praktisch. Es zählt, was bei dem anderen ankommt, und nicht, ob man es „gut“ meinte.
Kurz gesagt:
1. Entscheidung für Gott und die Liebe
2. Das Ewige in allem sehen
3. Bereitschaft alles hinzugeben
4. Disziplin
5. Verantwortung übernehmen
6. Güte und Strenge richtig handhaben
7. Die Augen öffnen: Es gibt genug zu tun!
„An ihren Taten werdet ihr sie erkennen.“ (Bibel, Matthäus, 7.16)
“Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete.“ (Bibel, Johannes, 15.13)
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